„Nietenlisten“

Dear Doosie

Alle Jahre wieder  erhalten wir am Anfang des Jahres für unsere Statistiken  vom Rechenzentrum dicke Stapel mit den Daten für alle Medien. Da heißt es dann für die Lektoren überprüfen, welche Medien in ihren jeweiligen Bereichen gar keine Ausleihen mehr erzielen. Schiller und Goethe bleiben natürlich auch dann im Bestand, aber bei „Verbrauchstiteln“ wird  auch häufig entschieden, diese „Nieten“ zu löschen. Das fällt mitunter sehr schwer, wenn man selbst überzeugt ist, dass dieser Titel es unbedingt wert ist, gelesen zu werden. So werde ich mich auch in diesem Jahr wieder nicht von Werner Lansburgh: „Dear Doosie“ trennen wollen. Der Autor  wuchs in Berlin auf, emigrierte als Jude rechtzeitig vor den Nazis und lebte dann in England, Spanien und Schweden. Mit seiner „Doosie“ gelang ihm Ende der 1970er Jahre der literarische Durchbruch und er konnte sich den Traum von einer Rückkehr nach Deutschland erlauben. Der Untertitel zum ersten Band sagt schon sehr viel über das Buch aus: „Eine Liebesgeschichte in Briefen. Auch eine Möglichkeit, sein Englisch spielend aufzufrischen“. Lansburgh erfindet sich eine Frau als Gegenüber (Du- Sie?), der er brieflich Englischunterricht erteilt und mit der er heftig flirtet und ihr höchst amüsante Anekdoten aus seinem bewegten Leben erzählt – alles in einer gelungenen Mischung aus Deutsch und Englisch und mit wiederholenden Abfragen am Schluss der Kapitel.  Im Waschzettel heißt es sehr treffend: „Man lernt erstaunlich viel Englisch dabei, gleichgültig, ob man Anfänger oder Fortgeschrittener ist. Der pädagogische Griff dieses Buchs ist ebenso zwingend wie sein Witz, sein Charme und sein hintergründiger Ernst.“ Vielleicht erlöst der eine oder andere Leser diese Bücher aus dem „Nietendasein“. Vergnügliche Lektüre wird garantiert!

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