Autoren im Exil. Wo anders denken

Thelen
In der ersten Augustwoche erinnerte der wdr3 in seiner Sendung „Mosaik“ an Autoren, deren Schreiben wesentlich vom Leben im Exil geprägt und beeinflusst wurde. Neben deutschen Schriftstellern wie Heinrich Heine (Frankreich) und Siegfried Lenz (Dänemark) wurden auch Autoren wie Christoph Isherwood und Rafik Schami vorgestellt, die in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben oder hatten. Mich hat besonders gefreut, dass auch auf Albert Vigoleis Thelen hingewiesen wurde. Thelen wurde 1903 in Süchteln am Niederrhein geboren und verließ schon 1931 mit seiner Frau Beatrice Deutschland. Mühsam schlugen sich die beiden in Mallorca mit Übersetzungen und Deutschunterricht durch. In seinem Hauptwerk „Die Insel des zweiten Gesichts“ schildert er diese Zeit der extremen Armut und des politischen  Drucks, denn auch in Spanien gewinnt der Faschismus an Boden. Als Franco die Insel einnimmt, müssen die Thelens sich erneut auf den Weg machen und finden später in Portugal Unterschlupf.  Trotz des eigentlich traurigen Themas erzählt der Autor mit viel Witz und Ironie, sprachlich geschliffen,   mit immer wieder unverhofften Wendungen und sehr unterhaltsam. Sein Stil ist manchmal weitschweifig und erinnert an Thomas Mann – vielleicht ist das auch ein Grund, dass Thelen nach 1945 nie die gebührende Resonanz und den verdienten Erfolg hatte, weil nun die „Kahlschlag-Literatur“ dominierte.  Ich möchte dieses Buch dennoch oder gerade deshalb allen anspruchsvollen Lesern empfehlen.

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