„Man darf keinen Hass gegen ein Volk spüren, nur weil sich ein paar falsch benommen haben.“

Dies ist ein Zitat von einer, deren Familie und beinahe auch sie selbst, von denen, welche sie als „ein paar die sich falsch benommen haben“ bezeichnet, im 3. Reich in Deutschland getötet wurde. Betty Bausch-Pollak berichtete in dieser Woche in der UNESCO-Schule Kamp-Lintfort  aus ihrem Überleben zur Zeit des Holocaust. Die heute 94jährige war 16 Jahre alt, als sie das erste Mal Hitlers Stimme im Radio hörte. Er beschuldigte darin die Juden, an jeglichem Unglück in der Weltgeschichte Schuld zu sein. Als Niederländerin gelang es Betty Bausch-Pollak unterzutauchen und letztendlich zu überleben. Die Schülerinnen und Schüler der Kamp-Lintforter Gesamtschule waren tief beeindruckt und berichten über den Vortrag auf der Website der Schule :

www.unesco-schule-kamp-lintfort.de/index.php/neuigkeiten/253-zeitzeugin-betty-bausch-polak-zu-besuch-in-der-unesco-schule

Gerade vor den Ereignissen der letzten Nacht in Paris möchten wir diese Weisheit von ihr allen noch einmal an’s Herz legen: „Man darf keinen Hass gegen ein Volk spüren, nur weil sich ein paar falsch benommen haben.“buch_polak_schweigen

Leider ist ihre Biographie „Bewegtes Schweigen“ als Buch nicht mehr lieferbar. Es kann wohl über die Fernleihe bestellt werden:  Betty Bausch-Polak: Bewegtes Schweigen. ISBN978-3-932289-17-0

 

Reichsprogrome im November 1938

Die Erinnerung an die Reichsprogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden durch die diesjährigen Feiern zum 25. Jahr des Mauerfalls fast verdrängt. Doch der Leistungskurs Geschichte des Georg-Forster-Gymnasiums hat sich ganz bewusst für dieses Thema entschieden, als die Frage im Raum stand, welchen historischen Gedenktag sie im Herbst in der Stadtbücherei dokumentieren. Bereits bei einem Besuch im September hatten die Schüler Romane, Biographien und Berichte zur Judenverfolgung entliehen. Bis Freitag, 05.12. sind nun die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit dem Thema in der Q-Thek unter dem Titel: „Würdest du deine Freunde und Bekannten verraten, um nicht selbst getötet zu werden? “ zusehen.  Die Schüler haben  selbst über ihre Arbeit mit dem Thema geschrieben:

“ In jener Nacht vor 76 Jahren demonstrierten die Nationalsozialisten, was sie mit den jüdischen Mitbürgern vorhatten. Sie nannten diese Nacht verharmlosend „Reichskristallnacht“, der etwa 400 Menschen zum Opfer fielen. Tausende Synagogen,  jüdische Friedhöfe, Versammlungsräume, Geschäfte und Wohnungen von Juden wurden zerstört oder in Brand gesetzt. Es war der organisierte Übergang von Diskriminierung bis hin zur späteren systematischen Verfolgung der Juden, die in den Holocaust überging und Millionen von Menschen im weiteren Verlauf das Leben kostete. „

Die Schüler möchten mit ihrer Darstellung zum Beispiel

„einen Einblick in „Schindlers Liste“ verschaffen, die komplett ausgelegt ist. …  Auch wurde ein Spiel entworfen, dass sich auf das Bilderbuch „Judith und Lisa“ bezieht….. Der Titel des Spiels lautet „1944 – Spiel des Lebens“, bei dem die Spieler selbst auf der Flucht vor den Nationalsozialisten sind und das Überleben allein von den gezogenen Ereigniskarten abhängt und es nur mit sehr viel Glück ein Entrinnen gibt. Man realisiert, wie viel Glück und zufällige Wendungen ein Einzelner erleben musste, um dem Konzentrationslager zu entgehen und zu überleben. Fragestellungen, die die moralische Integrität betreffen, schlagen einen Bogen in die Jetztzeit: Würdest du enteignen, verraten, wegnehmen, um Wohlstand zu erhalten oder davonzukommen?“

Die Ausstellung ist als Mahnung gedacht. Mit der Beschäftigung mit dem Thema „Holocaust“ wird deutlich, dass so etwas nicht noch einmal passieren darf.  Und das wollen die Schüler erreichen.