Jaroslav Rudis über seinen neuen Roman  „Nationalstraße „

imageBuchmesse Leipzig 2016: Am F.A.Z.- Stand  konnte ich zwei Schriftstellergespräche von Kulturredakteur Andreas Platthaus erleben. Er öffnete mit seinen sehr gut vorbereiteten Gesprächen Einblicke in Romane, die sich in ihrer Vielschichtigkeit kaum mit den Worten einer Kritik erfassen lassen. So war es  am 2. Buchmessetag eine spannende halbe Stunde, in der Andreas Platthaus mit Jaroslav Rudis über seinen neuen Roman „Nationalstraße“ sprach. Darin geht es um die Innenansichten einer  jähzornigen und gewaltbereiten Person, die zwar die friedliche Revolution vor 25 Jahren als Jugendlicher erlebt hat, aber bis heute keinerlei Veränderung in seiner  Welt über den Weg traut. Die kurze Lesung des Schriftstellers weckt das Bild eines sehr unangenehmen Menschen. Im realen Leben meide ich lieber diese Art von Personen, wie Rudis die Hauptfigur seines Romans schildert. Personen, die immer Verlierer waren und immer anderen die Schuld daran geben, schlimmer noch, die daraus eine abstruse Lebensphilosophie entwickelt haben, die in jedem sozialen Fortschritt die Demontage der guten, alten Welt sehen.  Die Gesprächsmoderation von Andreas Platthaus bei der Buchmesse war so ausgezeichnet, dass ich nun nach dem Buch in den umliegenden Bibliotheken Ausschau halte, um zumindest einmal zu versuchen, es zu lesen.

Jaroslav Rudiš, geboren 1972, ist Schriftsteller, Drehbuchautor und Dramatiker. Er studierte Deutsch und Geschichte in Prag, Zürich und Berlin und arbeitete u.a. als Lehrer, Journalist und Vertreter einer tschechischen Brauerei in Deutschland. Zuerst schrieb er Erzählungen, Gedichte und Songtexte. „Grand Hotel“, nach „Der Himmel unter Berlin“ sein zweiter auf Deutsch erschienener Roman, wurde 2006 verfilmt. Mit seinem tschechischen Verleger hat er darüber hinaus die Band „The Bombers“ gegründet. Sein dritter Roman „Potichu“ (Die Stille in Prag) wurde in Tschechien von der Kritik begeistert aufgenommen. Bei Voland & Quist erschien 2012 auf Deutsch die Graphic Novel „Alois Nebel“. 2012/13 hatte Jaroslav Rudiš die Siegfried-Unseld-Gastprofessur an der Humboldt-Universität zu Berlin inne. Im Dezember 2013 lief die Verfilmung von „Alois Nebel“, illlustriert von Jaromír 99, in den deutschen Kinos an. Zusammen mit Jaromir 99 gründete er die Kafka Band, die mit einer Mischung aus Musik, Literatur und Videokunst durch Mitteleuropa tourt. 2014 erhielt Jaroslav Rudiš für sein Werk den Usedomer Literaturpreis. (http://www.randomhouse.de/Autor/Jaroslav-Rudis/p203746.rhd)