Alfred Döblin, Mascha Kaléko, Kurt Tucholsky, Ödön von Horvath und Heinrich Heine

Dies sind in diesem Jahr die Autoren, aus deren Werk endlose Lesungen aus den Regalen erklingen. Bibliotheksbesucher und wir Mitarbeiter sind bei der Medienauswahl und der Arbeit umgeben von Stimmen, die aus den fünf MP3-Stationen erklingen.  Es ist das vierte Mal, dass LesART diese Hörstationen zum Erinnern an die Bücherverbrennungen vor 81 Jahren installiert. Auch Schülerinnen und Schüler der UNESCO-Schule haben wieder im Unterricht dazu gearbeitet und Plakate mit Lebenslauf und Werkbeschreibung zu einigen der verbrannten Dichter erstellt.  Besonders beeindruckend war der Vortrag von Dr. Jan-Pieter Barbian, Leiter der Stadtbibliothek Duisburg, am vergangenen Freitag. Es ging dabei vor allem um die Politisierung und Vereinnahmung der Literatur von Beginn des Dritten Reiches vor allen anderen Kultursparten durch die Nationalsozialisten.  Erschreckend waren seine Ausführungen über die Verurteilung der Verantwortlichen nach dem Ende des Dritten Reichs. Diese sind nämlich nie geschehen, im Gegenteil, viele konnten fast ohne „Karrierebruch“ in der Bundesrepublik Deutschland Verlage aufbauen oder wichtige Ämter in der Kulturpolitik des jungen Staates besetzen.

Wer sich weiter informieren möchte, sollte das Buch „Die verbrannten Dichter“, herausgegeben  von  Jürgen Serke lesen. Für Jugendliche oder auch für alle, die von der Seite des Erlebens in das Thema einsteigen möchten, empfehle ich den Roman „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak.  Dieser ist vor kurzem verfilmt worden, doch die DVD wird erst ab 30.09.2014 im Handel sein.

BücherdiebinFeuerspruch

Und eine weitere Informationsquelle, auf die wir auch bei der Überprüfung des Bestandes auf Bücher der verbrannten Dichter zurückgegriffen haben, möchten wir Euch nicht vorenthalten:

www.buecherlesung.de

 

 

 

Was wären Bibliotheken ohne Brecht, Tucholsky, Freud, …????

Am 10. Mai jährte sich der Tag der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten zum 80sten Mal.  Diesen Tag nehmen wir zum Anlass, um zu zeigen, was in Bibliotheken fehlen würde, würden die nationalsozialistischen Verordnungen von 1933 heute noch gelten. Um die Q-thek stapeln sich die Bücher, die damals verbrannt wurden. Es sind gerade solche, deren Inhalte so zeitlos sind, dass sie nach 80 Jahren noch in Bibliotheken zu finden sind. Sie zählen zum Grundbestand. Was wäre die deutsche Literatur ohne Tucholsky, Brecht oder die „Mann s“? Auch was nicht mehr in öffentlichen Bibliotheken zu finden ist, wird von der Wissenschaft  benötigt. Viele Werke der Gesellschaftswissenschaften basieren auf dem Gedankengut von Freud, Fromm, Marx , Engels und vielen anderen.  Sogar in Mathematik gäbe es eine gravierende Lücke: Einsteins Relativitätstheorien!

Schüler aus dem Religionskurs der UNESCO-Schule haben Plakate mit Originalzitaten gestaltet.  In den Regalen hat der Verein LesART Hörstationen aufgebaut, an denen aus den verbrannten Büchern gelesen wird. Ergänzt wird dies  durch eine Dia-Show in der Screenbox mit Dokumenten der Zeit im digitalen Bilderrahmen.

Dieser Gedenktag ist als Mahnung zu verstehen, solch eine Zensur niemals mehr zuzulassen. Auch in anderen Städten finden Aktionen statt, die auf der Seite www.buecherlesung.de  zu finden sind.

Bücher aus dem Feuer

Vor 79 Jahren, wenige Wochen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurden Bücher von politisch und rassisch unerwünschten Schriftstellern und Wissenschaftlern in fast allen deutschen Universitätsstädten verbrannt.  Darunter Autoren wie Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, Erich Kästner, Irmgard Keun, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Erich Maria Remarque, Anna Seghers, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Arnold Zweig und Stefan Zweig.

Symbolisch haben wir heute die Bücher dieser Autoren aus den Regalen der Stadtbücherei geräumt und in der Q-thek gestapelt.  Erschreckend, wie viele Regale auch heute noch leer wären, würde das Verbot der Nationalsozialisten, diese Bücher in öffentlichen Bibliotheken einzustellen, heute noch angewendet werden. Viele der Autoren gehören zu den „Großen“ der deutschen Literatur.  An fünf Stationen erklingen stattdessen Lesungen aus den Büchern. Dazu haben Schülerinnen und Schüler der Realschule und UNESCO-Schule, der Gesamtschule, beide in Kamp-Lintfort, Plakate mit den Biographien der Schriftsteller erarbeitet. In der Q-thek hängen die feurigen Sprüche, mit denen die Bücher damals den Flammen „übergeben“ wurden.

Diese besondere Aktion hat sich der Verein LesART Kamp-Lintfort e.V. ausgedacht, dessen Mitglieder auch die Stationen aufgebaut haben.  „Unsere Aktion kann nur eines von hoffentlich vielen Zeichen sein, aber je größer jedes Zeichen ist, umso mehr Wirkung geht von ihm aus,“ so  die Veranstalter der vielen Aktionen zum heutigen Gedenktag. „Angesichts einer wachsenden Fremdenfeindlichkeit, den neonazistischen Strömungen in Deutschland und dem erneuten Aufkeimen von anti-semitischen Haltungen messen wir unserer Aktion eine wesentliche soziale Bedeutung zu!“ 

Überall in Deutschland finden heute Lesungen aus diesen Büchern statt. Auf der Seite www.buecherlesung.de sind sie zusammengestellt. In der Q-thek der Stadtbücherei bleibt die Ausstellung diesmal bis Ende Mai zu erleben. Schulklassen sind herzlich willkommen.