„Besser als Bestseller in der Stadtbücherei als bei jemanden im Bücherschrank“

Am Samstag kam ein Leser hereingestürmt und fragte “ Haben Sie schon den Bestseller von Akif Pirincci: Deutschland von Sinnen?“  Seit zwei Tagen sei das Buch erschienen und bei Thalia schon auf Platz 1 der Bestsellerliste.  Ich hatte davor noch nicht davon gehört, kenne den Autor nur als Schreiber der Katzenkrimis „Felidae“.  Eine Zeitlang war er damit wohl sehr erfolgreich, doch seit 2004 gibt es bei uns nichts neues mehr, da sie nicht mehr gefragt sind…

Also lese ich mir die Besprechungen zu „Deutschland von Sinnen“ bei Perlentaucher und  bei „Zeit online“ durch, stöbere auf weiteren Internet-Seiten und komme zu dem Schluss, dass der Autor wohl Geld braucht und dafür die einfachste aller Verkaufsmethoden im Buchgeschäft gewählt hat: Er provoziert.

Es erscheint auf dem Buchmarkt soviel, bei dem wir denken „Muss man das lesen?“. Wenn die Antwort gegen „Nein“ tendiert, ersparen wir  dem Steuerzahler die Anschaffung.  Denn die Mittel , also das Budget für Medienanschaffung,  sind begrenzt. Was in den Bestand aufgenommen wird, soll von möglichst vielen Bürgern gelesen oder genutzt werden. Wir versuchen  das breite Interesse  zu treffen. Das ist nicht immer einfach. Manches Medium haben wir nicht, obwohl es stark gefragt ist, aber jenseits unserer Informationsquellen gefragt wird; manches haben wir, was sehr gut und interessant geschrieben ist, aber niemand fragt danach.  Hilfreich sind die einschlägigen Besprechungsdienste für Bibliotheken, die Leser, die ihre Wünsche äußern und natürlich die Bestsellerlisten, allen voran die der Wochenzeitschrift „Der Spiegel“.  Aber leider landet auf den Bestsellerlisten immer mehr, bei dem wir uns ebenfalls fragen: „Muss man das lesen?“  Aber die Nachfrage wird geweckt, die Leute sind zumindest neugierig. Da ist es gut, dass LesART hier die Besten der Spiegelliste  bis Platz 10 der Romane und bis Platz 5 der Sachbücher bereitstellt. So kann jeder für nur 2 Euro  manches lesen, was  den Preis  des Einkaufs nicht lohnt,  schon gar nicht unser Budget belasten soll und trotzdem dem Autor nur  sehr geringfügig Gutes tut.

So kann es also sein, dass auch „Deutschland von Sinnen“, egal wie unsinnig das Demokratieverständnis darin ist, bald in der Stadtbücherei zu finden ist und später wie die Bücher unten auf dem Bestsellerflohmarkt landet, wo es sicher keiner mehr kaufen will.  Bestseller Flohmarkt