Mascha Kaléko: Memento

Mascha Kaléko 1907-1975
Memento
Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel, tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr:
Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muß man leben.

Mascha Kaléko, eine Lyrikerin die immer wieder mit Kästner, Tucholsky und Ringelnatz verglichen wurde, schrieb „Gebrauchspoesie“ für den Alltag.

Auch wenn der November – der Monat des Totengedenkens – fast vorbei ist, wird zur Zeit in der „Lyrischen Ecke“ der Stadtbücherei das Gedicht „Memento“ präsentiert  und das   Werk dieser wirklich alltagstauglichen Autorin in Büchern und Hörbuch ausgestellt.

3 Gedanken zu „Mascha Kaléko: Memento“

  1. Hallo,

    Kann mir denn jemand sagen, wann dieses schöne Gedicht erschienen ist. Ich möchte ein Referat darüber halten, habe aber bisher nirgends das Erscheinungsjahr gefunden.

    Vielen Danken schonmal im Voraus!

    1. Hallo Maria,
      das Gedicht entstand 1944. In diesem Jahr befand sich ihre Familie im Exil in den USA und hatte dort ein Einbürgerungsgesuch gestellt. Dem wurde Ende November stattgegeben. Aber Chemjo Vinaver, Mascha Kalékos Ehemann, hatte erste ernsthafte Herzprobleme. Mascha Kaléko sorgt sich: „… ohne ihn ist mein Leben zerstört.“ In dieser Zeit schreibt sie das Gedicht „Memento“. (Quelle: s.u.: S. 96)
      Mehr über ihr Leben findest Du in: Jutta Rosenkranz: Mascha Kaléko. Biografie. dtv 2007.
      Bei uns im Sachbereich, Signatur: Pyk Kaléko

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